Bundteilung der Gitarre
bei der gleichstufigen Stimmung

Die Bundteilung der Gitarre folgt der gleichstufigen Stimmung: Jeder Bund erhöht den Ton um einen Halbton. Dafür wird die Saite jedes Mal um denselben Anteil kürzer, die Bünde rücken deshalb zum Steg hin immer enger zusammen. Am 12. Bund ist die Saite halb so lang: Es erklingt die Oktave.

Die Grafiken zeigen die Bundteilung einer Konzertgitarre (Klassikgitarre) maßstäblich, geometrisch und rechnerisch, dazu den Ausgleich an Sattel und Steg. Die Bundabstände bei 65 cm Mensur stehen außerdem als Tabelle zum Nachschlagen auf dieser Seite.

Gitarre im Maßstab · Konzertgitarre mit 65 cm Mensur

Maßstabsgetreue Darstellung einer Konzertgitarre mit einer Mensur von 65 cm. Die Bünde rücken zum Steg hin immer enger zusammen. Die roten Marken (Flageolett-Teilungen) liegen fast genau auf dem 5., 7., 12. und 19. Bund. Der Korpus beginnt am 12. Bund und das Schallloch direkt am 19. Bund.

Maßstabsgetreue Zeichnung einer Konzertgitarre mit 65 cm Mensur; Flageolett-Teilungen am 5., 7., 12. und 19. Bund rot markiert
Konzertgitarre im Maßstab, Mensur 65 cm

Geometrische Bundteilung · Konstruktion mit Loten

Die Bünde bilden eine logarithmische Skala. Jeder Bund verkürzt die Saite um denselben Anteil. Somit ist jeder Bund genau einen Halbton höher, obwohl die Abstände zum Steg hin immer kleiner werden.

Konstruktion mit zwei Geraden (Zickzack aus Loten). Jedes Zickzack (Lot auf die Hilfsgerade, Lot zurück auf die Saite) verkürzt den Abstand zum Steg um den Faktor cos²(13,7°) = 0,9439. Nach 12 Schritten ist genau die Hälfte erreicht.

Geometrische Konstruktion der Bundteilung: Zickzack aus Loten zwischen Saite und einer um 13,7 Grad geneigten Hilfsgeraden
Geometrische Bundteilung mit zwei Geraden

Mathematische Bundteilung · Bundabstände berechnen

Die Grafik zeigt das Griffbrett einer Gitarre mit 65 cm Mensur, maßstäblich gezeichnet. Links steht der Abstand zwischen zwei Bünden, rechts der Abstand jedes Bundes vom Sattel, beides in Millimetern. Jeder Bundabstand ist das 0,9439-Fache des vorherigen, die Bünde rücken deshalb immer enger zusammen. Der 12. Bund liegt bei 325 mm, genau in der Mitte der Mensur: Dort erklingt die Oktave.

Griffbrett mit 65 cm Mensur: Abstand zwischen den Bünden und Abstand jedes Bundes vom Sattel in Millimetern
Bundabstände bei 65 cm Mensur, Werte in Millimetern

Sattel- und Stegausgleich (Kompensation)

Rechnerisch liegt der 12. Bund genau in der Mitte der Mensur. Beim Greifen wird die Saite jedoch gedehnt und klingt etwas zu hoch. Deshalb wird sie an beiden Enden ein wenig verlängert bzw. angepasst.

Die Stegeinlage steht dazu etwas weiter hinten und schräg: Bei der e¹-Saite beträgt der Ausgleich etwa 1,5 mm, bei der dickeren E-Saite etwa 3 mm. Der Sattel ist um etwa 1 mm Richtung 1. Bund versetzt, das verbessert die Intonation in den ersten Lagen.

Oktavreinheit prüfen: Zur Kontrolle vergleicht man am 12. Bund Flageolettton und gegriffenen Ton: Beide müssen gleich hoch klingen. Mehr dazu unter Wo die Flageoletttöne liegen und Gitarre mit Flageoletttönen stimmen.

Draufsicht auf Sattel und Steg: schräge Stegeinlage mit etwa 1,5 mm Ausgleich bei der e¹-Saite und 3 mm bei der E-Saite, Sattel etwa 1 mm versetzt
Darstellung nicht maßstäblich, Werte ungefähr

Saitendehnung beim Greifen

Gestrichelt ist die leere Saite dargestellt. Greift man am 12. Bund, wird die Saite auf den Bundstab gedrückt und dabei gedehnt. Ihre Spannung steigt, und der Ton klingt etwas zu hoch.

Am Sattel liegt die Saite näher am Bundstab als am 12. Bund und am Steg. Je höher die Saite liegt, desto stärker wird sie beim Greifen gedehnt. Das gleicht man am Sattel und am Steg aus (Kompensation).

Seitenansicht: Die am 12. Bund gegriffene Saite wird gegenüber der gestrichelten leeren Saite gedehnt
Nicht maßstäblich, Saitenlage stark vergrößert

Weiterlesen: Vom Klang der Saite · Abendländisches Tonsystem · Über den Gitarrenbau

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