Flatpicking

Flatpicker

Die Flatpicking-Technik könnte auch ganz allgemein als Plektrum-Technik für Akustikgitarren verstanden werden. Ursprünglich wird Flatpicking mit Gitarrentechniken des Bluegrass (amerikanischer Volksmusikstil) verbunden.

Auf jeden Fall kann mit den Grundlagen dieser Technik das Spiel mit dem Plektrum (Flatpick, Pick) gelernt und auch in anderen Musikstilen verwendet werden.

Begleitung

Zu den Grundlagen (Basics) der Flatpicking-Begleitung sind Grund- und Nachschläge, die auf vielfältige Art und Weise verändert werden können.

  • Kurzeinführung
    • Grundlagen der Begleitung
    • Über das Tempo
  • What Shall We Do
    ist ein einfacher Folksong (Shanty). Es sei darauf hingewiesen, dass es nicht um den Song selbst, sondern um die anzuwendende Technik geht.
    • Basisbegleitung mit zwei Varianten
    • Song – Vocal & Begleitung
       

Grundlagen der Begleitung

Beispiel mit dem G-Dur-Akkord

Basis-Rhythmus-Pattern

Auf den Grundschlägen ist der Bass, das Fundament der Begleitung. Dieser wird in der Standardnotation mit Notenhals nach unten dargestellt. Der Bass ist ein Wechselbass und kann einfach zwischen Grundton und Quinte gewechselt werden.

Die Nachschläge bestehen aus drei Akkordtönen und sind in der Standardnotation mit Notenhals nach oben dargestellt.

Über das Tempo

Die meisten Flatpicking-Stücke sind schnell, beziehungsweise sehr schnell gespielt und erzielen zum Teil auch damit ihre Wirkung. Für den Anfang gilt eine zweckmäßige Einstellung zu finden und sich nicht durch die schnellen Tempi beirren zu lassen. Diese können erst nach ein paar Monaten erreicht werden.

Die absolute Maßeinheit der Tempi wird für das Metronom angegeben: 60 bpm heißt 60 Schläge pro Minute (beats per minute).
 

Ich empfehle für den Anfang:

  • Anfangstempo: langsam – Halbe = 60 bpm
  • Zieltempo: mittel – Halbe = 88 bpm

Für Fortgeschrittene:

  • Tempo: schnell – Halbe = 120 bpm

Basis-Pattern – Capo II


Doppelschlag-Pattern – Capo II


Wechselschlag-Pattern – Capo II

What Shall We Do

»What Shall We Do (With The Drunken Sailor)« ist ein traditioneller Folksong, beziehungsweise ein Shanty (Seemannslied). Bei diesem Song wird der Capo (Kapodaster) im 2. Bund verwendet


A-Moll und G-Dur-Akkord (Capo II)


Akkordfolge – Leadsheet (Capo II)


Die folgende Basisbegleitung und ihre zwei Varianten können zunächst mehr oder weniger genau nachgespielt werden. Die Zielsetzung für Begleitungen ist nicht die notierte, beziehungsweise festgesetzte Begleitung nachzuspielen, sondern die Begleitung »aus dem Hut« (improvisiert) zu spielen.

Basisbegleitung (Capo II)


Basisbegleitung – Variante 1
mit Doppelschlag und Aufschlagsbindungen (hammer-ons)


Basisbegleitung – Variante 2
mit Bassdurchgänge und einer rythmischen Verschiebung im 4. Takt


Song – Vocal (Gitarre 1) & Begleitung (Gitarre 2)


Melodiespiel

Melodien werden grundsätzlich im Wechselschlag gespielt. Die Viertel als Abschläge und die Achtel dazwischen als Aufschläge.

  • Kurzeinführung
    • Grundlagen des Melodiespiels
    • Über das Tempo
  • Red Haired Boy
    • Basismelodie mit Intro und Ending Tag
       

Grundlagen des Melodiespiels

Wechselschlag-Technik

Wechselschlagübung auf der ③ Leersaite mit Capo II


Skala (Tonleiter)
Einer Melodie liegt eine oder auch mehrere Skalen (Tonleiter) zugrunde. Es ist sinnvoll diese Skalen »rauf« und »runter« zu spielen, bevor Melodien einstudiert werden. Dies erleichtert später auch das Verzieren und Variieren einer Melodie und ist unerlässlich für das Improvisieren.

Die mixolydische G-Dur Skala entspricht dem 5. Modus der C-Dur Skala. Vereinfacht gesagt ist mixolydisch G-Dur auf der C-Dur Skala vom tiefen bis zum hohen g. Etwas verwirrend ist die Notation: G-Dur-Tonart (fis-Vorzeichen) mit den Auflösungszeichen (Versetzungszeichen) bei der Note fis.

G-Dur mixolidisch mit Capo II

Red Haired Boy

»Red Haired Boy« ist eine irische Reel und wurde ursprünglich auf der Fidel gespielt. Die folgende Bearbeitung ist eine Basismelodie mit allem »drum rum«.

Intro: Die 2-taktige Einleitung ist ein Einzähl-Intro und wird typischerweise als Vorspiel an Stelle des Einzählens gespielt. Hat die Melodie ein Auftakt wird dieser von den zwei Takten abgezogen. Einzähl-Intros sind austauschbar.

A- / B-Teil: Das Stück besteht aus zwei Teilen; A-Teil und B-Teil. Jeder Teil wird wiederholt und dann als ein Durchgang bezeichnet. Ein Durchgang kann von verschiedenen Instrumenten (Fiedel, Banjo, Mandoline) wiederholt werden oder es kann mit einem Instrument verschiedene Varianten gespielt werden.

Ending Tag: Der zusätzliche 2-taktige Schluss wird als Ending Tag bezeichnet und am Ende des Stückes drangehängt. Ending Tags sind wie Einzähl-Intros austauschbar, können auch 4-taktig und sehr spektakulär sein.

Folge: Intro A A B B Ending(Tag)
 


Bevor das Stück zusammenhängend gespielt wird, sollten die einzelnen Teile geübt werden.

Intro

A-Teil

B-Teil

Ending Tag


Red Haired Boy



Improviesierte Version im moderaten Tempo und »swing feel«, mit verschiedenen Varianten aus dem Lehrbuch.

Gitarre solo

Beim Flatpicking-Solospiel werden Begleitung und Melodie zu einer Einheit verbunden. Die Melodie liegt dabei grundsätzlich in den Basssaiten. Die Begleitung auf den Diskantsaiten wird über mehrere Saiten angeschlagen.

Wildwood Flower

„Wildwood Flower” ist ein amerikanischer Folksong aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. In den späten 1920er Jahren wurde das Stück durch die Carter Family bekannt. Die Gitarristin Maybelle Carter prägte damals den unverwechselbaren Spielstil, der heute als Carter-Style bekannt ist.

Duoversion


Soloversion / Carter Style

Carter-Style wird etwas missverständlich gebraucht. Allgemein wird darunter eine einfache Flatpicking-Spieltechnik verstanden. Genaugenommen spielt Maybelle Carter mit einem Daumenpick und einem speziellen Pick für den Zeigefinger, mit dem sie auch Abschläge spielen kann. Also keine typische Flatpicking-Technik.

Tony Rice

Tony Rice (1951–2020) war weit mehr als nur ein virtuoser Gitarrist. Er war ein Musiker mit einzigartiger Ausstrahlung, der andere durch sein Spiel, seine Haltung und sein Streben nach Schönheit inspirierte. Sein Einfluss ist bis heute spürbar.

Er war einer der einflussreichsten Bluegrass-Gitarristen seiner Zeit. Mit seinem unverkennbaren Ton, seiner rhythmischen Souveränität und seiner lyrischen Spielweise prägte er die akustische Musik wie kaum ein anderer. In den 1970er-Jahren wurde er durch die Band J. D. Crowe & the New South bekannt. Später entwickelte er gemeinsam mit David Grisman (Mandoline) die genreübergreifende „Dawg Music“. Auch in seinen Soloprojekten und durch die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern wie Béla Fleck (5-String Banjo) zeigte sich seine enorme stilistische Bandbreite.

Sein Vermächtnis besteht in einem einzigartigen Klang und der Inspiration, die er Generationen von Musikerinnen und Musikern geschenkt hat. Tony Rice ist bis heute ein Maßstab für die akustische Gitarre.

„Was ich mir von ihnen wünschen würde, ist, dass sie das, was ich hier zeige, einfach als Richtlinien benutzen, um ihre eigene musikalische Identität zu entwickeln. Darum geht es. Ich weiß, dass ich das vor Jahren genauso gemacht habe – fast automatisch. Als ich jung war, wollte ich unbedingt wie Clarence White spielen. Aber ich konnte es nicht. Und aus dieser Unfähigkeit oder aus diesen Begrenzungen heraus entstand mein eigener Stil und meine eigene musikalische Identität.“

„Church Street Blues” ist ein Song von Norman Blake. Tony Rice spielt und singt ihn mit einer unvergleichlichen Leichtigkeit.

Transkription

Die folgende Transkription ist nach Toni Rices langsam gespielter Version aus dem obigen Lernvideo notiert. Achte genau auf den Fingersatz der linken (Griffweise) und rechten Hand (Ab- und Aufschläge). Wie im Video zu sehen ist, greift er den G-Akkord auch dann vollständig, wenn er nur die die ④, ③ und ② Leersaite anschlägt.

Die vollständige Version des Intros ist im Lehrbuch enthalten.

Flatpicking

Lehrbuch 2.0

Das Lehrbuch für Flatpicking beinhaltet die elementaren Grundlagen um das Spiel mit dem Plektrum (Pick) auf der Akustik- oder auch Klassikgitarre zu lernen.
Einerseits wird das Melodiespiel und andererseits das Begleiten gelernt, was dann für das Zusammenspiel mit zwei Gitarren (Gitarrenduo) oder anderen Akustikinstrumenten oder Musikstile verwendet werden kann.
Für fortgeschrittene Spieler ist es auch möglich, Songs oder Instrumentalstücke alleine (Gitarre solo) zu spielen.

  • Lehrbuch mit Noten und Tabulaturen
  • Begleitung
  • Melodiespiel
  • Gitarre solo
  • Videoclips online (Demnächst!)
  • Hörbeispiel online (Demnächst!)

Das aktualisierte Lehrbuch erscheint demnächst im Online-Noten-Verlag und ist wahlweise als PDF oder als Ringbuchheft erhältlich. Ergänzend dazu stehen online Lernvideos und Hörbeispiele bereit.