schnubiculemus igitur

Pressestimmen

Heidenheimer Neue Presse / 11.12.00 (Marita Kasischke)

Keine Dirndl und keine Lederhose - und trotzdem wurde es am Freitag in der Schranne Giengen so urbayerisch, wie man sich nur vorstellen kann. Schnubiglbairisch eben. Und damit meint der bayerische Musikwissenschaftler Felix Hoerburger die lautmalerische Annäherung der Sprache an die Musik, vertont mit Klängen der bayerischen Stubnmusik. Keine Angst, das klingt nur trocken - was da geboten wird, ist die pure landlerische Harmonie. Und bei Beate Himmelstoß, Sprecherin des Bayerischen Rundfunks, weiß man gleich von Beginn an, woran man ist: "A jeds Stückl ghert ghert." Wos gherts? Ghert ghert's! Kategorisch singt sie es, doch sicher hätte sie sich auch ohne diese Aufforderung der nicht nachlassenden Aufmerksamkeit ihres Publikums sicher sein können: Zu komisch war ihre Darbietung in Tonfall, Mimik und Gestik - schnubiglbairisch halt. Dabei war keinesfalls nur die Weihnachtszeit Thema des Abends: Im ersten Teil wurde es richtig "griebig", was unter Bayern "G'schichten erzählen" meint. G'schichten vom kloanen Nonsenserl zum Beispiel, das schließlich jeder von Zeit zu Zeit braucht. Und wenn es klein genug ist, dann merken das die Leute auf der Straße gar nicht, "wie sich der Verstand im Hirnkastel rumdraht". Und wenn's erst mal da ist das kloane Nonsenserl, mei, des is schee. Kein bisschen anders sehen und hören es die Schranne-Gäste, die sich im vollbesetzten Obergeschoss mit seinem urigen Fachwerk von Anfang bis Ende pudelwohl fühlen. Obwohl auch "scheißdraurige G'schichten" erzählt werden. Die Brautwerbung des wampertern, hingringelten leberknödels um die heididlblambimperte salzbrez'n beispielsweise, die lässt doch bald die Erkenntnis aufkommen: So a Leberknödel hat's auch nicht leicht, der ist auch bloß ein armer Deifi. Da war doch das mit selbstgemalten Bildern unterstützte Märchen vom schnabutzbuxfiveitl und dem gnuznbampumperer, die auf die schnupfnbumbeikuttl und die blimbamburischtixn treffen. Und weil wir ja an diesem Abend nur Kultur für gebildete Leit machen, gibt's die wundersamen G'schicht mit dem glücklichen Ende auch gleich noch auf Latein, ein Kuddelmuddel-Bayern-Latein freilich, quod erat verzählendum. Fakten, Fakten, Fakten - das ist in Bayern nicht anders - die kommen im Wirtshaus auf den Tisch: Die Super-Fakten-Kantate für zwei Massenchöre und Perkussion zeigt anschaulich, wie nicht nur um Kaisers Bart, sondern auch um fünf lederne Strümpf gestritten werden kann. Zu einem besinnlichen Weihnachtsfest gehört ein Festessen, und das besteht nach alter schnubiglbairischer Tradition aus dupfadipfte Dixduberl mit schneibitzlsoß. Da läuft einem das Wasser im Munde zusammen. - Herrschaftszeiten, des war a sakrisch sauberer Abend, so schenkelschlagerisch komisch, da legst di nieder.

Heidenheimer Zeitung / 10.12.00 (Hans-Peter Leitenberger)

Schnubiglbairische Blödeleien Hörvergnügen der besonderen Art in der Gingener Schranne.
Wer bayerisch konnte, war gut beraten beim Besuch der Schranne in Giengen am Freitagabend. Besser war man dran, wenn man "schnubiglbairisch" beherrschte. Eine humanistische Bildung war außerdem von Vorteil, denn Lateinkenntnisse erhöhten das Vergnügen beträchtlich bei dem Abend.
Der Musikwissenschaftler Felix Hoerburger hatte als Ausgleich zum trockenen akademischen Alltag entzückende Sprachspielereien geschaffen, die so gar nicht zum Klischee vom krachlederen Idiom passen. Die Klangsprache, die die Vokale purzeln lässt, wurde durch den Vortrag von Beate Himmelstoß zu einem Hörvergnügen besonderer Art. Man wurde langsam in die spielerische Welt des gehobenen Sprachnonsens eingeführt.
Die bayerischen Volksweisen erklangen mit augenzwinkendem Charme und werteten die alpenländische Folklore deutlich auf gegenüber der sonstigen dumpfen Volkstümlichkeit. War etwa vom "wamperten Leberknödel" die Rede, der sich in eine Salzbrezel verguckt hatte, so entwickelte Beate Himmelstoß daraus eine tragische Liebesgeschichte, die das Gebäck, schön wie eine "kreative Improvisation von einem Meisterarscherl" alleine auf Erden ließ. Schwieriger wurde es beim Märchen vom "schnapunzelbuxfibeigl", dem im Wald ein "mordstrumm gnuznbambumperer" begegnete. In Moritatenmanier wurde die Geschichte mit Bilden illustriert, wobei nicht nur die oberweitenreiche "schnupfnbumbeikuttl" für Lacher sorgte. Die sprachlichen Spielereien machten deutlich, dass es nicht immer wohlgesetzter Worte bedarf, um intelligente Unterhaltung zu bieten.

 

Augsburger Allgemeine / 19.10.00 (sysch)

schnubiculemus igitur heißt auf Latein gaudeamus igitur und übersetzt: "Nun laßt uns fröhlich sein"! Sie verkörpern quasi feinste gehobene Unterhaltung und sorgen mit "bairischen Stückln" für ein poetisches Klangerlebnis. Mystisch wurde es nach der Pause, dafür aber musikalisch und sängerisch ganz "bubigl schlawunderbar".

Aichacher Nachrichten / 13.12.99 ( J. Bartenschlager)

Wortlautspiele, verdrehter Buchstabensalat und verquere Denkspiele, gewürzt mit viel Musik verlangten dem Besucher einiges ab - und waren Garant für viele Lacher. Sie hatten sich zum hintergründigen Angriff auf die Lachmuskeln zusammengeschlossen und präsentierten Werke des verstorbenen Musikwissenschaftlers und Musikethnologen Felix Hoerburger. Dieser schrieb viele Texte und Gedichte, die er in Büchern wie "neueste nachrichten aus der schnubiglputanischen provinz" veröffentlichte. Doch dann stießen Beate Himmelstoß und René Senn auf diese Texte, vertonten sie und machten ein skurril-witziges Programm daraus, das mit pseudo-bayerischen Begriffen und ihrem mundartlichen Klang spielt und nannten ihr Programm "schnubiculemus igitur".

Allgäuer Zeitung /14.12.98

Spiel mit Silben und Worten "Schnubiglbairische Weihnacht" - was sich dahinter wohl verbirgt? Die "Obergünzburger Initiative für Kultur" hatte den Mut, diesen Abend in ihr Jahresprogramm aufzunehmen. Für die Zuhörer wurde es ein Genuß. Die Texte des Abends verfaßte Felix Hoerburger, ein inzwischen verstorbener Musikprofessor aus Regensburg. Er spielt mit Silben, erfindet Wörter blödelt zwischendurch ein wenig. "A kloans Nonsenserl! - manchmal braucht ma dös halt!" fügt er an, als ob er sich rechtfertigen müsse. Von Träumen, "ganz leisen Träumen " ist häufig die Rede, von Stille, von Besinnlichkeit. Er erzählt von einem, den Besinnlichkeit überhaupt nicht interessiert hat. "Aber er sei dann wenigstens g'storbn - das müsse man ihm lassen." Oder die Geschichte vom Leberknödel, der die Salzbreze heiraten sollte. Sie stritten sich, wer schöner sei - "wie sich halt junge Brautleute so streiten". Aber da kam der wumbáberl sepp". "Zuerst hat er den Knödel g'fressn und dann die Brezen ins Bier einidaucht - der Banause".
Zum genußvollen Hinhören wurde der Abend durch Beate Himmelstoß. Die mikrophonerprobte Sprecherin beim Bayerischen Rundfunk bot herrliche Nuancen des Erzählens: gespielte Traurigkeit, spitzbübische Freude, zartes Geflüster. Gewinnend und sympathisch. "Der Musik nachlauschen, die mit Worten gemacht wird", läßt Felix Hoerburger sie sagen.