schnubiculemus igitur

Pressestimmen

Münchner Merkur / 24.09.2013 (Nina Daebel)

Bayerisch und ein bisserl gaga

Irschenhausen-Icking - „Verstehst?" Nein? Macht auch nichts: Am Freitag war im Hollerhaus Einstiegskurs „Schnubiglbairisch für Anfänger"

Die Leitung hatte Beate Himmelstoß, Sprecherin beim Bayerischen Rundfunk, die musikalisch unterstützt wurde vom Quartett „Verzupft“.

„Schnubiglbairisch“ ist dem Hirn und aus der Feder des Ethnologen sowie Musikwissenschaftlers Felix Hoerburger aus Regensburg entsprungen. Es ist ein wohlklingender, rhythmischer Dialekt, ein „Klingel-Klangel“, allerdings vollkommen fiktiv. Wer ihn spricht, wirkt ein bisserl gaga und wie nicht aus dieser bayerischen Welt. Denn im „Schnubiglbairisch“ gibt’s viele Wörter, die nur so tun, als ob es sie geben würde. Wohltönend anzuhören, durchaus mit Sinn dahinter, aber losgelöst vom Eigentlichen und Gewohnten. Kreiert hat Hoerburger seine Texte auf „Schnubiglbairisch“, indem sich sein ganzer Hirnverstand einmal im Hirnkasten herum drehte. Der Kopf schwirrte einem auch, als Himmelstoß die „Siauschuacherln“ (Kurzgeschichten), „Bambuznschtückln“ (Gedichte), „Plembemperer“ (rhythmische Stücke) und „Halbschnalzer“ (Stücke im Halbwalzerrhythmus) des Ausnahme-Poeten im Hollerhaus theatralisch-wirksam vortrug. Weil Hoerburger-Texte nun mal aufg’sagt gehören. Denn nur laut ausgesprochen kommt der Klangcharakter des „Schnubiglbairischen“ voll zur Geltung und kann sich raumfüllend entfalten.

So wie in der „scheiß-traurigen G’schicht“ vom verliebten lila Leberknödel, der die eingebildete Salzbrezn heiraten wollte. Beide wurden gegessen, so dass es nie zur Vermählung kam - „scheiß-traurig“ eben. Applaus gab’s von den begeisterten Gästen auch für das „Märchen vom Schnapunzlbuxfibeigl“, das mit großformatigen Illustrationen visuell veranschaulicht wurde. Vor große personelle Probleme stellte Himmelstoß und das Quartett „Verzupft“ eine Kantate für zwei Massenchöre. Dass die Massen fehlten, fiel dann aber gar nicht weiter auf. Außerdem im Programm: der „Tausendköpflerblues“, die „Schnubuglbairischen Beiträge zur Atomphysik“ sowie jede Menge Gstanzl. Und zwar solche, die man singt, wenn man grantig, angefressen, genervt oder schlecht drauf ist.

Nachdem Himmelstoß und „Verzupft“ vorgelegt hatten, war das Publikum dazu aufgefordert, selbst ein Gstanzl zu singen. Grünen-Kreisrätin Lucia Schmid aus Wolfratshausen traute sich als Einzige, sprang spontan auf und schmetterte souverän ihre Liedzeilen.

Ein Hörvergnügen war es auch, den vier Musikern von "Verzupft" zuzuhören, die sich kein einziges Mal verzupft haben. Sie spielten "Musik von hier und anderswo". Darunter altbairische Volksmusik und Stücke aus der Sammlung "Die Zwiefachen" und "Achtaktige Ländler aus Bayern" des Volksmusikwissenschaftlers Hoerburger. "Verzupft" zeigte dabei eine enorme musikalische Bandbreite.

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Museum Starnberger See /02.06.2013

Schnubiglbairisch für Anfänger

Eine gelungene Vorführung boten Beate Himmelstoß und das Quartett Verzupft am Sonntag, dem 2. Juni 2013, im Museum Starnberger See. Wer vor der Veranstaltung nicht wusste, was er sich unter "Schnubiglbairisch" vorstellen soll, jetzt weiß er es: Silbenfolgen, die irgendwie an Bayerisch erinnern, aber doch nur über ihren lautmalerischen Klang einen Sinn ergeben. Der fiktive Dialekt, eingebunden in Nonsens-Gedichte und -Geschichten, geht auf Felix Hoerburger zurück. Der Ethnologe und Musikforscher, hat sich nicht nur um die Sammlung von Tanzmelodien und traditioneller Musik verdient gemacht, sondern - wohl als Ausgleich zu seinen wissenschaftlichen Tätigkeiten - auch diese eigene Sprachform entwickelt: Das Schubiglbairisch.   

Beate Himmelstoß interpretierte die lautmalerischen Werke von Felix Hoerburger mit viel Rhythmusgefühl und Humor. Musikalisch untermalt und begleitet wurden die Stücke von dem Quartett "Verzupft". Ein besonderes Schmankerl: Die Besucher erlebten im Museum die Premiere einer pantomimischen Darstellung der von Frau Himmelstoß vorgetragenen Hoerburger-Version von Hänsel und Gretel. Normalerweise wird die Geschichte mit Bildern untermalt. Doch als sich herausstellte, dass diese vergessen worden waren, ging es ans Improvisieren. Kurzerhand wurden Materialien aus der Museumspädagogik umfunktioniert und als Requisiten verwendet. Heraus kam eine gelungene und vor allem lustige Interpretation des Grimm'schen Klassikers.

www.museum-starnberger-see.de

Tagblatt / 17.02.2012 (Barbara Heigl)

Lasst uns schnubigeln / Sprachmusikalische Gaudi mit Beate Himmelstoß im Traunsteiner Studio 16

Wenn die Rundfunksprecherin und ausgebildete Schauspielerin Beate Himmelstoß auf der Bühne die "Scheißtraurige G'schicht vom verliebten Leberknödel und der eingebildeten Brezn" erzählt und das Publikum mit einem Prinzessinnenmärchen unterhält, dann tut sie das in einer ganz besonderen Sprache, dem "Schnibiglbairisch" von Felix Hoerburger, darselbst leider schon verstorbener Regensburger Sprachfinder, Poet, Professor, Ethnologe und Forscher, nicht nur im bayerischen Raum.

Den Geschichten aus der "Schnubiglputanischen Provinz", die es nun seit ein paar Jagren auch wieder in Buchform gibt, lauschten die Zuhörer im Traunsteiner Studio 16 mit großem Vergnügen. Die lautmalerische Fantasiesprache hat eine poetische Kraft und Urtümlichkeit, welche - zwischen das echte Bairisch gestreut - zu einem wahren Ohrenschmaus gerät. Felix Hoerburger hat seine Spaß-Klang-Laut-Sprache ein "Klingel Klangel" genannt und dazu gesagt: "A jeds Stück gherd gherd und gsunga."

Zu hören bekam das Publikum den "Tausendköpflerblues" oder die "Schnubuglbairischen Beiträge zur Atomphysik". Wenn Beate Himmelstoß immer wieder ausholte um zu verdeutlichen, wie klein die Atomal sind, aus denen ihr Kopf zusammengesetzt ist, nämlich aus elektronischen Wuzaln und einem "Nichts" im inneren Kern, und betonte "nicht nur bei mir, bei eich a", dann hatte das geradezu valentineske Qualität.

Das Märchen "Schnabunzlbuxfibeigl" hat sie dann für die Gebildeten im Publikum nicht nur auf Schnubiglbairisch erzählt, was an sich schon umwerfend komisch war, sondern auch noch in einer pseudo-lateinischen Kurzfassung wiedergegeben. "Schnubiculemus igitur, quoniam nil nescimus" lautet ja auch das Motto der Vorstellung, was übersetzt "Nix wissma net, also lasst uns schnubign" bedeudet.

Aber es wurde an diesem Abend natürlich auch musikalisch geschnubigelt. Die vier Musiker, die gemeinsam fein aufeinander abgestimmt Gitarrenschmankerl mit sonorsaftiger Bassbegleitung kredenzten und auch so manches Lied aus der Hoerburger-Sammlung in der Bearbeitung von René Senn sangen, hatten auch Verdrehtes und Lustiges zu bieten. Wie etwa den "gewuzelte Zwiefachen", "Gockel, wannst net kraahst, draah i dir 's Kragerl um" oder den "Zillertaler Boarischen" aus dem Fundus von Sepp Eibl. Und sogar ein sakrales Stück, "Alle Psallite" aus dem 13. Jahrhundert aus dem Montpellier-Codex, wurde konzentriert musiziert. Man hörte heraus, wie auch die Musiker bei den teils verwinkelten, ineinander verschränkten Melodien miteinander "schnubiglten", als sie etwa die Gitarre wie eine Harfe klingen ließen, auch war manchmal eine Zither oder ein Hackbrett herauszuhören.

"Schnubigln" ist so ein schöner Zustand, da konnte man die sympathische Truppe natürlich nicht so ohne weiteres ziehen lassen. Da wurde dann noch ein "Vielfacher" aufgspuit, Beate Himmelstoß brachte mit ihrem unnachahmlich ausdrucksstarkem, lebendigen Mimik und Körpersprache noch "Das große Ui" zu Gehör, welches Felix Hoerburger eigens für sie geschrieben hat, und das "aufblaschierte Festessen" ("bei uns dahoam... was'd ned sogst!") und "Gschpenster", bei dem das Licht ausging und gwischpert und gezischt wurde. Eine runde Geschichte, nach der man sehr beglückt und selig lächelnd nach Hause ging.

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SZ - Dachauer Neueste / 11.12.2010 (Renate Zauscher)

"Schnapunzlbuxfibeigl" / Wie sich bei Felix Hoerburger "der ganze Hirnverstand oamal im Hirnkasten umdraht" - eine Lesung in der Weilachmühle

Thalhausen - "Schnubigibairisch": so nennt sich der fiktive Dialekt, den Felix Hoerburger erfunden hat. Das Kunstwort klingt gemütlich - aber um bairische Gemütlichkeit dürfte es dem 1997 verstorbenen "Schnubikologen" kaum gegangen sein: Er wollte vielmehr der musikalischen Qualität der Sprache - und hier vor allem der bairischen Sprache - auf den Grund gehen. Im Hauptberuf war Hoerburger Musikethnologe. Als solcher lehrte er an der Universität Regensburg. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit schrieb er Gedichte, Geschichten und "Stückl", wie er sie nannte. In denen erlaubte er sich den lustvoll spielerischen Umgang mit Sprache auch jenseits ihrer Funktion als wörtlich zu verstehenden Kommunikationsmittel.

Die Besucher der Weilachmühle in Thalhausen hatten jetzt Gelegenheit, den Sprachschöpfer und Sprachkünstler Hoerburger kennenzulernen: in einem Programm, bei dem die bekannte Rundfunksprecherin Beate Himmelstoß Hoerburgers Texte las und René Senn zusammen mit Doris Leibold und Willi Kimer für den musikalischen Teil des Abends sorgte.

Felix Hoerburger muss ein sehr kreativer Mensch gewesen sein: einer, dem die vergleichende Sprachwissenschaft nicht genug war, der dem Klang, dem Rhythmus der Sprache auch dort nachspüren wollte, wo sie sich frei macht von den Zwängen reiner Sinnvermittlung. "A kloans Nonsenserl - manchmal brauch i des einfach", heißt es in einem Gedicht von Hoerburger, „da draht si der ganze Hirnverstand oamal im Hirnkasten um".

Und was bei diesem Vorgang heraus- kommt, das sind Geschichten wie die vom "gwamperten Li-La-Leberknödl" und der "Bri-Bra-Brezn", das Märchen vom "Schnapunzlbuxfibeigl" oder der "Tausendköpfler", der mit tausend Ohren „waschelt".

Hoerburgers stark rhythmisch akzentuierte Lautmalereien erinnern an Carl Orff - und sein ausgeprägter Sinn für Skuriles lässt an Karl Valentin denken, der Hoerburger sichtlich beeinflusst hat.
Rene Senn hat die Musik für die musikalische Lesung geschrieben und sich dabei von Volksmusik, mittelalterlichen Liedern oder auch dem amerikanischen Blues inspirieren lassen. Seine Stücke, die meisten davon für drei Gitarren, die er zusammen mit Doris Leibold und Willi Kimer vortrug, sind weit mehr als nur "Begleitmusik". Sie stehen für sich selber und unterstreichen gleichzeitig das, was Hoerburger wichtig war: den Rhythmus, den Klang der Sprache.

Was den Abend in der Weilachmühle aber zu einem wirklichen Ereignis gemacht hat, ist die Vortragskunst von Beate Himmelstoß. "Die Stückl ghöm ghört", hat Felix Hoerburger selbst geschrieben. Hätte er der ausgebildeten Schauspielerin und Rundfunksprecherin bei ihrem Vortrag zuschauen können, dann hätte Hoerburger gewusst: Seine Texte gehören auch gesehen! Himmelstoß kann aus einem Nonsens-Gedicht mit ihrer unglaublich wandelbaren, nuancenreichen Stimme, mit Gestik und Mimik ein kleines Drama machen, eine himmlische Traumvision oder eine schaurig-schöne Gespenstergeschichte.

Da ist dann nicht mehr der "verstehbare" Sinn der Worte wichtig, sondern die Bilder und Assoziationen, die sich bei ihrem Klang einstellen. Sprache wird so zur reinen, zweckfreien Poesie - ganz so, wie Hoerburger selbst seine „Stückln" verstanden wissen wollte.

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Holzkirchner Merkur / 25.10.2010 (Johanna Wieshammer)

Mit ausgebreiteten Armen, den Blick entrückt zur Decke /
Beate Himmelstoß und ihre Musiker fesseln ihr Publikum im FoolsTheater

Holzkirchen - Vor Beate Himmelstoß steht ein Notenständer, kein Tisch mit Leselampe. Ein Hinweis darauf dass keine Lesung zu erwarten ist im FoolsTheater. Ein Konzert ist "schnubiculemus igitur", frei übersetzt "lasst uns schnubiglbairsch reden", allerdings auch nicht wirklich. Werke des verstorbenen Musikwissenschaftlers, Musik-Ethnologen und nicht zuletzt Humoristen und Poeten Felix Hoerburger bringt Himmelstoß als "sprachmusikalische Gaudi" auf die Bühne des FoolsTheaters. Denn "Ieds Stickl ghert, ghert schlawutzl klingl klangl ghert".

Hoerburger hat viele Texte und Gedichte geschrieben, in seinem fiktiven Dialekt Schnubiglbairisch. Sein Buch "Neuste Nachrichten aus der schnubiglputanischen Provinz" ist Nährboden des Programms. Willi Kirner, Doris Leibold und René Senn wirken mit, gerade - bei Plembemperern (rhythmische Stücken) und Halbschnalzer (Stücken im Halbwalzer-Rhythmus). Das erinnert ein ums andere Mal an Rupert Rigams Orff-Lesungen, sein rosenkranzartiges Runterbeten von Wörtern, sein rhythmisches Wiederholen - natürlich spricht der Tegernseer Pfarrer i.R. auch schon den Schnubigl-Dialekt.

Die Musiker klopfen rhythmisch auf die Gitarrenkorpi. Erst der eine, dann fängt der zweite an, die Saiten sanft zu zupfen. Es wirkt valentinesk. Oder einfach nur komplett verrückt - vor allem für Zuhörer, die des Bayerischen nicht sonderlich mächtig sind? Da steht Himmelstoß mit ausgebreiteten Armen, den Blick entrückt auf die Decke des FoolsTheaters gerichtet, säuselt "mir hat's draamt, draamt hobalebahuhudes dramt bei da Naaaacht ...".

Beileibe nicht nur (vermeintlich) Nonsens transportieren sie, Die Siauschuacherln (Kurzgeschichten) und Bambuzeschtückln (Gedichte), auch ein uriges Bairisch. So mancher Begriff dürfte gerade den jüngeren Besuchern nicht mehr geläufig sein.
Wer einfach mal die Augen schloss, dem wurde das besonders deutlich: Himmelstoß' Dialekt ist wohltuend echt und natürlich. Dass die Sprecherin beim Bayerischen Rundfunk eher Studios gewohnt ist, ist ihr anzumerken. Da blinkert schon mal Unbeholfenheit durch - die sympatisch wirkt. Oder ist sie einfach nur unverfälscht natürlich und nahbar?
Himmelstoß sitzt auf ihrem Holzstuhl da auf der niedrigen Bühne, die drei Musiker ebenfalls.

Im FoolsTheater des Oberbräu-Komplexes sind noch reichlich Plätze frei, es ist "zappenduster" und "mucksmeiserstaad". Kirner singt vom "Viech - im Mund hods tausend Zahnderln drinnen, es tut mit tausend Köpferln spinnen". Dann liest Himmelstoß das Märchen vom Schnapunzelbuxfibeigl, dem im Wald ein "mordstrumm Gnuzenbambumperer" begegnet. Leibold und Kirner halten dazu den Zuhöreren weiße Plakate entgegen, mit reichlich humorigen Skizzen. Den spitzbübischen Schnapunzelbuxfibeigl zieren eine rote Zipfelmütze und ein knallroter Spitzbart.

Diese Art von Humor versteht das bayerische "Hirnkastl", ein "Hohlraum mit lauter Atomerln", so klein, dassd sowwos no gar ned gsein host". Im Grunde ist "schnubiculemus igitur" noch viel bayerischer als Bayerisch, die Rhythmen und Lautmalereien verraten noch deutlich mehr von der bayerischen Mentalität als Himmelstoß' lupenrein bayerischer Dialekt es könnte.

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Traunsteiner Tagblatt / 25.10.2010 (Barbara Heigl)

Vom verliebten Leberknödel /
"Schnubiglbairische Geschichten" im Studio 16

Allein die Darstellung der Geschichte vom verliebten Leberknödel und der koketten Brezn wäre schon das Eintrittsgeld wert gewesen! Denn wenn die Schauspielerin Beate Himmelstoß, bekannt durch den Bayerischen Rundfunk, die "Schnubiglbairische Geschichten" des Sprachpoeten und Wortkünstlers Felix Hoerburger präsentiert, ist das erstens umwerfend komisch und zweitens sensationell poetisch.

Leider konnten sich an dieser literarisch-musikalischen Rarität nur wenige freuen, weil der Besucherandrang im Traunsteiner Studio 16 eher gering bis mager war. Aber Beate Himmelstoß und die drei Musiker, die auf Gitarren und Diatonischer Ziach Zwiefache und achttaktige Ländler in feinster musikalischer Manier präsentierten, wollten trotzdem wiederkommen - einen neuen Anlauf wagen. Bis dahin kann man sich ja zur Einstimmung schon mal das im Allitera Verlag wieder aufgelegte Buch "Neuste Nachrichten aus der schnubiglputanischen Provinz" von Felix Hoerburger kaufen. Kleinkunst "at its best"!

Mit irischen Liebeslieder und afrikanischen Rhythmen zu bayerischer Sprachakrobatik, Gedichten und Geschichten und einer wunderbaren Sängerin, mit einer Stimme, so klar wie die Quellen Irlands, hat sich das Ensemble auf die Spuren des Forschungsreisenden, Sprachwissenschaftler und Musikethnologen Hoerburger gemacht, zur Freude aller dabei Gewesenen. Eine dadaistische, poetische Gaudi, die man auf keinen Fall wieder versäumen sollte!

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Heidenheimer Neue Presse / 11.12.00 (Marita Kasischke)

Keine Dirndl und keine Lederhose - und trotzdem wurde es am Freitag in der Schranne Giengen so urbayerisch, wie man sich nur vorstellen kann. Schnubiglbairisch eben. Und damit meint der bayerische Musikwissenschaftler Felix Hoerburger die lautmalerische Annäherung der Sprache an die Musik, vertont mit Klängen der bayerischen Stubnmusik. Keine Angst, das klingt nur trocken - was da geboten wird, ist die pure landlerische Harmonie. Und bei Beate Himmelstoß, Sprecherin des Bayerischen Rundfunks, weiß man gleich von Beginn an, woran man ist: "A jeds Stückl ghert ghert." Wos gherts? Ghert ghert's! Kategorisch singt sie es, doch sicher hätte sie sich auch ohne diese Aufforderung der nicht nachlassenden Aufmerksamkeit ihres Publikums sicher sein können: Zu komisch war ihre Darbietung in Tonfall, Mimik und Gestik - schnubiglbairisch halt. Dabei war keinesfalls nur die Weihnachtszeit Thema des Abends: Im ersten Teil wurde es richtig "griebig", was unter Bayern "G'schichten erzählen" meint. G'schichten vom kloanen Nonsenserl zum Beispiel, das schließlich jeder von Zeit zu Zeit braucht. Und wenn es klein genug ist, dann merken das die Leute auf der Straße gar nicht, "wie sich der Verstand im Hirnkastel rumdraht". Und wenn's erst mal da ist das kloane Nonsenserl, mei, des is schee. Kein bisschen anders sehen und hören es die Schranne-Gäste, die sich im vollbesetzten Obergeschoss mit seinem urigen Fachwerk von Anfang bis Ende pudelwohl fühlen. Obwohl auch "scheißdraurige G'schichten" erzählt werden. Die Brautwerbung des wampertern, hingringelten leberknödels um die heididlblambimperte salzbrez'n beispielsweise, die lässt doch bald die Erkenntnis aufkommen: So a Leberknödel hat's auch nicht leicht, der ist auch bloß ein armer Deifi. Da war doch das mit selbstgemalten Bildern unterstützte Märchen vom schnabutzbuxfiveitl und dem gnuznbampumperer, die auf die schnupfnbumbeikuttl und die blimbamburischtixn treffen. Und weil wir ja an diesem Abend nur Kultur für gebildete Leit machen, gibt's die wundersamen G'schicht mit dem glücklichen Ende auch gleich noch auf Latein, ein Kuddelmuddel-Bayern-Latein freilich, quod erat verzählendum. Fakten, Fakten, Fakten - das ist in Bayern nicht anders - die kommen im Wirtshaus auf den Tisch: Die Super-Fakten-Kantate für zwei Massenchöre und Perkussion zeigt anschaulich, wie nicht nur um Kaisers Bart, sondern auch um fünf lederne Strümpf gestritten werden kann. Zu einem besinnlichen Weihnachtsfest gehört ein Festessen, und das besteht nach alter schnubiglbairischer Tradition aus dupfadipfte Dixduberl mit schneibitzlsoß. Da läuft einem das Wasser im Munde zusammen. - Herrschaftszeiten, des war a sakrisch sauberer Abend, so schenkelschlagerisch komisch, da legst di nieder.

Heidenheimer Zeitung / 10.12.00 (Hans-Peter Leitenberger)

Schnubiglbairische Blödeleien Hörvergnügen der besonderen Art in der Gingener Schranne.
Wer bayerisch konnte, war gut beraten beim Besuch der Schranne in Giengen am Freitagabend. Besser war man dran, wenn man "schnubiglbairisch" beherrschte. Eine humanistische Bildung war außerdem von Vorteil, denn Lateinkenntnisse erhöhten das Vergnügen beträchtlich bei dem Abend.
Der Musikwissenschaftler Felix Hoerburger hatte als Ausgleich zum trockenen akademischen Alltag entzückende Sprachspielereien geschaffen, die so gar nicht zum Klischee vom krachlederen Idiom passen. Die Klangsprache, die die Vokale purzeln lässt, wurde durch den Vortrag von Beate Himmelstoß zu einem Hörvergnügen besonderer Art. Man wurde langsam in die spielerische Welt des gehobenen Sprachnonsens eingeführt.
Die bayerischen Volksweisen erklangen mit augenzwinkendem Charme und werteten die alpenländische Folklore deutlich auf gegenüber der sonstigen dumpfen Volkstümlichkeit. War etwa vom "wamperten Leberknödel" die Rede, der sich in eine Salzbrezel verguckt hatte, so entwickelte Beate Himmelstoß daraus eine tragische Liebesgeschichte, die das Gebäck, schön wie eine "kreative Improvisation von einem Meisterarscherl" alleine auf Erden ließ. Schwieriger wurde es beim Märchen vom "schnapunzelbuxfibeigl", dem im Wald ein "mordstrumm gnuznbambumperer" begegnete. In Moritatenmanier wurde die Geschichte mit Bilden illustriert, wobei nicht nur die oberweitenreiche "schnupfnbumbeikuttl" für Lacher sorgte. Die sprachlichen Spielereien machten deutlich, dass es nicht immer wohlgesetzter Worte bedarf, um intelligente Unterhaltung zu bieten.

 

Augsburger Allgemeine / 19.10.00 (sysch)

schnubiculemus igitur heißt auf Latein gaudeamus igitur und übersetzt: "Nun laßt uns fröhlich sein"! Sie verkörpern quasi feinste gehobene Unterhaltung und sorgen mit "bairischen Stückln" für ein poetisches Klangerlebnis. Mystisch wurde es nach der Pause, dafür aber musikalisch und sängerisch ganz "bubigl schlawunderbar".

Aichacher Nachrichten / 13.12.99 ( J. Bartenschlager)

Wortlautspiele, verdrehter Buchstabensalat und verquere Denkspiele, gewürzt mit viel Musik verlangten dem Besucher einiges ab - und waren Garant für viele Lacher. Sie hatten sich zum hintergründigen Angriff auf die Lachmuskeln zusammengeschlossen und präsentierten Werke des verstorbenen Musikwissenschaftlers und Musikethnologen Felix Hoerburger. Dieser schrieb viele Texte und Gedichte, die er in Büchern wie "neueste nachrichten aus der schnubiglputanischen provinz" veröffentlichte. Doch dann stießen Beate Himmelstoß und René Senn auf diese Texte, vertonten sie und machten ein skurril-witziges Programm daraus, das mit pseudo-bayerischen Begriffen und ihrem mundartlichen Klang spielt und nannten ihr Programm "schnubiculemus igitur".

Allgäuer Zeitung /14.12.98

Spiel mit Silben und Worten "Schnubiglbairische Weihnacht" - was sich dahinter wohl verbirgt? Die "Obergünzburger Initiative für Kultur" hatte den Mut, diesen Abend in ihr Jahresprogramm aufzunehmen. Für die Zuhörer wurde es ein Genuß. Die Texte des Abends verfaßte Felix Hoerburger, ein inzwischen verstorbener Musikprofessor aus Regensburg. Er spielt mit Silben, erfindet Wörter blödelt zwischendurch ein wenig. "A kloans Nonsenserl! - manchmal braucht ma dös halt!" fügt er an, als ob er sich rechtfertigen müsse. Von Träumen, "ganz leisen Träumen " ist häufig die Rede, von Stille, von Besinnlichkeit. Er erzählt von einem, den Besinnlichkeit überhaupt nicht interessiert hat. "Aber er sei dann wenigstens g'storbn - das müsse man ihm lassen." Oder die Geschichte vom Leberknödel, der die Salzbreze heiraten sollte. Sie stritten sich, wer schöner sei - "wie sich halt junge Brautleute so streiten". Aber da kam der wumbáberl sepp". "Zuerst hat er den Knödel g'fressn und dann die Brezen ins Bier einidaucht - der Banause".
Zum genußvollen Hinhören wurde der Abend durch Beate Himmelstoß. Die mikrophonerprobte Sprecherin beim Bayerischen Rundfunk bot herrliche Nuancen des Erzählens: gespielte Traurigkeit, spitzbübische Freude, zartes Geflüster. Gewinnend und sympathisch. "Der Musik nachlauschen, die mit Worten gemacht wird", läßt Felix Hoerburger sie sagen.