Pressestimmen
![]()
SZ - Dachauer Neueste / 11.12.2010 (Renate Zauscher)
"Schnapunzlbuxfibeigl" / Wie sich bei Felix Hoerburger "der ganze Hirnverstand oamal im Hirnkasten umdraht" - eine Lesung in der Weilachmühle
Thalhausen - "Schnubigibairisch": so nennt sich der fiktive Dialekt, den Felix Hoerburger erfunden hat. Das Kunstwort klingt gemütlich - aber um bairische Gemütlichkeit dürfte es dem 1997 verstorbenen "Schnubikologen" kaum gegangen sein: Er wollte vielmehr der musikalischen Qualität der Sprache - und hier vor allem der bairischen Sprache - auf den Grund gehen. Im Hauptberuf war Hoerburger Musikethnologe. Als solcher lehrte er an der Universität Regensburg. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit schrieb er Gedichte, Geschichten und "Stückl", wie er sie nannte. In denen erlaubte er sich den lustvoll spielerischen Umgang mit Sprache auch jenseits ihrer Funktion als wörtlich zu verstehenden Kommunikationsmittel.
Die Besucher der Weilachmühle in Thalhausen hatten jetzt Gelegenheit, den Sprachschöpfer und Sprachkünstler Hoerburger kennenzulernen: in einem Programm, bei dem die bekannte Rundfunksprecherin Beate Himmelstoß Hoerburgers Texte las und René Senn zusammen mit Doris Leibold und Willi Kimer für den musikalischen Teil des Abends sorgte.
Felix Hoerburger muss ein sehr kreativer Mensch gewesen sein: einer, dem die vergleichende Sprachwissenschaft nicht genug war, der dem Klang, dem Rhythmus der Sprache auch dort nachspüren wollte, wo sie sich frei macht von den Zwängen reiner Sinnvermittlung. "A kloans Nonsenserl - manchmal brauch i des einfach", heißt es in einem Gedicht von Hoerburger, „da draht si der ganze Hirnverstand oamal im Hirnkasten um".
Und was bei diesem Vorgang heraus- kommt, das sind Geschichten wie die vom "gwamperten Li-La-Leberknödl" und der "Bri-Bra-Brezn", das Märchen vom "Schnapunzlbuxfibeigl" oder der "Tausendköpfler", der mit tausend Ohren „waschelt".
Hoerburgers stark rhythmisch
akzentuierte Lautmalereien erinnern an Carl Orff - und sein ausgeprägter
Sinn für Skuriles lässt an Karl Valentin denken, der Hoerburger
sichtlich beeinflusst hat.
Rene Senn hat die Musik für die musikalische Lesung geschrieben und
sich dabei von Volksmusik, mittelalterlichen Liedern oder auch
dem amerikanischen Blues inspirieren lassen. Seine Stücke,
die meisten davon für
drei Gitarren, die er zusammen mit Doris Leibold und Willi Kimer
vortrug, sind weit mehr als nur "Begleitmusik".
Sie stehen für sich selber und unterstreichen gleichzeitig das, was
Hoerburger wichtig war: den Rhythmus, den Klang der Sprache.
Was den Abend in der Weilachmühle aber zu einem wirklichen Ereignis gemacht hat, ist die Vortragskunst von Beate Himmelstoß. "Die Stückl ghöm ghört", hat Felix Hoerburger selbst geschrieben. Hätte er der ausgebildeten Schauspielerin und Rundfunksprecherin bei ihrem Vortrag zuschauen können, dann hätte Hoerburger gewusst: Seine Texte gehören auch gesehen! Himmelstoß kann aus einem Nonsens-Gedicht mit ihrer unglaublich wandelbaren, nuancenreichen Stimme, mit Gestik und Mimik ein kleines Drama machen, eine himmlische Traumvision oder eine schaurig-schöne Gespenstergeschichte.
Da ist dann nicht mehr der "verstehbare" Sinn der Worte wichtig, sondern die Bilder und Assoziationen, die sich bei ihrem Klang einstellen. Sprache wird so zur reinen, zweckfreien Poesie - ganz so, wie Hoerburger selbst seine „Stückln" verstanden wissen wollte.
![]()
Holzkirchner Merkur / 25.10.2010 (Johanna Wieshammer)
Mit ausgebreiteten Armen, den Blick entrückt zur Decke /
Beate Himmelstoß und ihre Musiker fesseln ihr Publikum im FoolsTheater
Holzkirchen - Vor Beate Himmelstoß steht ein Notenständer, kein Tisch mit Leselampe. Ein Hinweis darauf dass keine Lesung zu erwarten ist im FoolsTheater. Ein Konzert ist "schnubiculemus igitur", frei übersetzt "lasst uns schnubiglbairsch reden", allerdings auch nicht wirklich. Werke des verstorbenen Musikwissenschaftlers, Musik-Ethnologen und nicht zuletzt Humoristen und Poeten Felix Hoerburger bringt Himmelstoß als "sprachmusikalische Gaudi" auf die Bühne des FoolsTheaters. Denn "Ieds Stickl ghert, ghert schlawutzl klingl klangl ghert".
Hoerburger hat viele Texte und Gedichte geschrieben, in seinem fiktiven Dialekt Schnubiglbairisch. Sein Buch "Neuste Nachrichten aus der schnubiglputanischen Provinz" ist Nährboden des Programms. Willi Kirner, Doris Leibold und René Senn wirken mit, gerade - bei Plembemperern (rhythmische Stücken) und Halbschnalzer (Stücken im Halbwalzer-Rhythmus). Das erinnert ein ums andere Mal an Rupert Rigams Orff-Lesungen, sein rosenkranzartiges Runterbeten von Wörtern, sein rhythmisches Wiederholen - natürlich spricht der Tegernseer Pfarrer i.R. auch schon den Schnubigl-Dialekt.
Die Musiker klopfen rhythmisch auf die Gitarrenkorpi. Erst der eine, dann fängt der zweite an, die Saiten sanft zu zupfen. Es wirkt valentinesk. Oder einfach nur komplett verrückt - vor allem für Zuhörer, die des Bayerischen nicht sonderlich mächtig sind? Da steht Himmelstoß mit ausgebreiteten Armen, den Blick entrückt auf die Decke des FoolsTheaters gerichtet, säuselt "mir hat's draamt, draamt hobalebahuhudes dramt bei da Naaaacht ...".
Beileibe nicht nur
(vermeintlich) Nonsens transportieren sie, Die Siauschuacherln (Kurzgeschichten)
und Bambuzeschtückln (Gedichte), auch ein uriges Bairisch. So mancher
Begriff dürfte gerade den jüngeren Besuchern nicht mehr geläufig
sein.
Wer einfach
mal die Augen schloss, dem wurde das besonders deutlich: Himmelstoß'
Dialekt ist wohltuend echt und natürlich. Dass die Sprecherin beim
Bayerischen Rundfunk eher Studios gewohnt ist, ist ihr anzumerken.
Da blinkert schon mal Unbeholfenheit durch - die sympatisch wirkt.
Oder ist sie einfach nur unverfälscht natürlich und nahbar?
Himmelstoß sitzt
auf ihrem Holzstuhl da auf der niedrigen Bühne, die drei Musiker ebenfalls.
Im FoolsTheater des Oberbräu-Komplexes sind noch reichlich Plätze frei, es ist "zappenduster" und "mucksmeiserstaad". Kirner singt vom "Viech - im Mund hods tausend Zahnderln drinnen, es tut mit tausend Köpferln spinnen". Dann liest Himmelstoß das Märchen vom Schnapunzelbuxfibeigl, dem im Wald ein "mordstrumm Gnuzenbambumperer" begegnet. Leibold und Kirner halten dazu den Zuhöreren weiße Plakate entgegen, mit reichlich humorigen Skizzen. Den spitzbübischen Schnapunzelbuxfibeigl zieren eine rote Zipfelmütze und ein knallroter Spitzbart.
Diese Art von Humor versteht das bayerische "Hirnkastl", ein "Hohlraum mit lauter Atomerln", so klein, dassd sowwos no gar ned gsein host". Im Grunde ist "schnubiculemus igitur" noch viel bayerischer als Bayerisch, die Rhythmen und Lautmalereien verraten noch deutlich mehr von der bayerischen Mentalität als Himmelstoß' lupenrein bayerischer Dialekt es könnte.
![]()
Traunsteiner Tagblatt / 25.10.2010 (Barbara Heigl)
Vom verliebten Leberknödel /
"Schnubiglbairische Geschichten" im Studio 16
Allein die Darstellung der Geschichte vom verliebten Leberknödel und der koketten Brezn wäre schon das Eintrittsgeld wert gewesen! Denn wenn die Schauspielerin Beate Himmelstoß, bekannt durch den Bayerischen Rundfunk, die "Schnubiglbairische Geschichten" des Sprachpoeten und Wortkünstlers Felix Hoerburger präsentiert, ist das erstens umwerfend komisch und zweitens sensationell poetisch.
Leider konnten sich an dieser literarisch-musikalischen Rarität nur wenige freuen, weil der Besucherandrang im Traunsteiner Studio 16 eher gering bis mager war. Aber Beate Himmelstoß und die drei Musiker, die auf Gitarren und Diatonischer Ziach Zwiefache und achttaktige Ländler in feinster musikalischer Manier präsentierten, wollten trotzdem wiederkommen - einen neuen Anlauf wagen. Bis dahin kann man sich ja zur Einstimmung schon mal das im Allitera Verlag wieder aufgelegte Buch "Neuste Nachrichten aus der schnubiglputanischen Provinz" von Felix Hoerburger kaufen. Kleinkunst "at its best"!
Mit irischen Liebeslieder und afrikanischen Rhythmen zu bayerischer Sprachakrobatik, Gedichten und Geschichten und einer wunderbaren Sängerin, mit einer Stimme, so klar wie die Quellen Irlands, hat sich das Ensemble auf die Spuren des Forschungsreisenden, Sprachwissenschaftler und Musikethnologen Hoerburger gemacht, zur Freude aller dabei Gewesenen. Eine dadaistische, poetische Gaudi, die man auf keinen Fall wieder versäumen sollte!
![]()
Heidenheimer Neue Presse / 11.12.00 (Marita Kasischke)
Keine Dirndl und keine Lederhose - und trotzdem wurde
es am Freitag in der Schranne Giengen so urbayerisch, wie man sich
nur vorstellen kann. Schnubiglbairisch eben. Und damit meint der
bayerische Musikwissenschaftler Felix Hoerburger die
lautmalerische Annäherung der Sprache an die Musik, vertont mit Klängen
der bayerischen Stubnmusik. Keine Angst, das klingt nur trocken - was da geboten
wird, ist die pure landlerische Harmonie. Und bei Beate Himmelstoß, Sprecherin
des Bayerischen Rundfunks, weiß man gleich von Beginn an, woran man ist: "A
jeds Stückl ghert ghert." Wos gherts? Ghert ghert's! Kategorisch singt
sie es, doch sicher hätte sie sich auch ohne diese Aufforderung der nicht
nachlassenden Aufmerksamkeit ihres Publikums sicher sein können: Zu komisch
war ihre Darbietung in Tonfall, Mimik und Gestik - schnubiglbairisch halt. Dabei
war keinesfalls nur die Weihnachtszeit Thema des Abends: Im ersten Teil wurde
es richtig "griebig", was unter Bayern "G'schichten erzählen" meint.
G'schichten vom kloanen Nonsenserl zum Beispiel, das schließlich jeder
von Zeit zu Zeit braucht. Und wenn es klein genug ist, dann merken das die Leute
auf der Straße gar nicht, "wie sich der Verstand im Hirnkastel rumdraht".
Und wenn's erst mal da ist das kloane Nonsenserl, mei, des is schee. Kein bisschen
anders sehen und hören es die Schranne-Gäste, die sich im vollbesetzten
Obergeschoss mit seinem urigen Fachwerk von Anfang bis Ende pudelwohl fühlen.
Obwohl auch "scheißdraurige G'schichten" erzählt werden.
Die Brautwerbung des wampertern, hingringelten leberknödels um die heididlblambimperte
salzbrez'n beispielsweise, die lässt doch bald die Erkenntnis aufkommen:
So a Leberknödel hat's auch nicht leicht, der ist auch bloß ein armer
Deifi. Da war doch das mit selbstgemalten Bildern unterstützte Märchen
vom schnabutzbuxfiveitl und dem gnuznbampumperer, die auf die schnupfnbumbeikuttl
und die blimbamburischtixn treffen. Und weil wir ja an diesem
Abend nur Kultur für gebildete Leit machen, gibt's die wundersamen G'schicht
mit dem glücklichen
Ende auch gleich noch auf Latein, ein Kuddelmuddel-Bayern-Latein freilich, quod
erat verzählendum. Fakten, Fakten, Fakten - das ist in Bayern nicht anders
- die kommen im Wirtshaus auf den Tisch: Die Super-Fakten-Kantate für zwei
Massenchöre und Perkussion zeigt anschaulich, wie nicht nur um Kaisers Bart,
sondern auch um fünf lederne Strümpf gestritten werden kann. Zu einem
besinnlichen Weihnachtsfest gehört ein Festessen, und das besteht nach alter
schnubiglbairischer Tradition aus dupfadipfte Dixduberl mit schneibitzlsoß.
Da läuft einem das Wasser im Munde zusammen. - Herrschaftszeiten, des war
a sakrisch sauberer Abend, so schenkelschlagerisch komisch, da legst di nieder.
![]()
Heidenheimer Zeitung / 10.12.00 (Hans-Peter Leitenberger)
Schnubiglbairische Blödeleien Hörvergnügen
der besonderen Art in der Gingener Schranne.
Wer bayerisch konnte, war gut beraten beim Besuch der Schranne in
Giengen am Freitagabend. Besser war man dran, wenn man "schnubiglbairisch" beherrschte.
Eine humanistische Bildung war außerdem von Vorteil, denn Lateinkenntnisse
erhöhten das Vergnügen beträchtlich bei dem Abend.
Der Musikwissenschaftler Felix Hoerburger hatte als Ausgleich zum trockenen
akademischen Alltag entzückende Sprachspielereien geschaffen, die so gar
nicht zum Klischee vom krachlederen Idiom passen. Die Klangsprache, die die Vokale
purzeln lässt, wurde durch den Vortrag von Beate Himmelstoß zu einem
Hörvergnügen besonderer Art. Man wurde langsam in die spielerische
Welt des gehobenen Sprachnonsens eingeführt.
Die bayerischen Volksweisen erklangen mit augenzwinkendem Charme und werteten
die alpenländische Folklore deutlich auf gegenüber der sonstigen dumpfen
Volkstümlichkeit. War etwa vom "wamperten Leberknödel" die
Rede, der sich in eine Salzbrezel verguckt hatte, so entwickelte Beate Himmelstoß daraus
eine tragische Liebesgeschichte, die das Gebäck, schön wie eine "kreative
Improvisation von einem Meisterarscherl" alleine auf Erden ließ. Schwieriger
wurde es beim Märchen vom "schnapunzelbuxfibeigl", dem im Wald
ein "mordstrumm gnuznbambumperer" begegnete. In Moritatenmanier wurde
die Geschichte mit Bilden illustriert, wobei nicht nur die oberweitenreiche "schnupfnbumbeikuttl" für
Lacher sorgte. Die sprachlichen Spielereien machten deutlich, dass es nicht immer
wohlgesetzter Worte bedarf, um intelligente Unterhaltung zu bieten.
![]()
Augsburger Allgemeine / 19.10.00 (sysch)
schnubiculemus igitur heißt auf Latein gaudeamus igitur und übersetzt: "Nun
laßt uns fröhlich sein"!
Sie verkörpern
quasi feinste gehobene Unterhaltung und sorgen mit "bairischen Stückln" für
ein poetisches Klangerlebnis. Mystisch wurde es nach der Pause, dafür
aber musikalisch und sängerisch ganz "bubigl schlawunderbar".
![]()
Aichacher Nachrichten / 13.12.99 ( J. Bartenschlager)
Wortlautspiele, verdrehter Buchstabensalat und verquere
Denkspiele, gewürzt mit viel Musik verlangten dem Besucher einiges ab
- und waren Garant für viele Lacher.
Sie hatten sich zum hintergründigen
Angriff auf die Lachmuskeln zusammengeschlossen und präsentierten Werke
des verstorbenen Musikwissenschaftlers und Musikethnologen Felix Hoerburger.
Dieser schrieb viele Texte und Gedichte, die er in Büchern wie "neueste
nachrichten aus der schnubiglputanischen provinz" veröffentlichte.
Doch dann stießen Beate Himmelstoß und René Senn auf diese
Texte, vertonten sie und machten ein skurril-witziges Programm daraus, das
mit pseudo-bayerischen Begriffen und ihrem mundartlichen Klang spielt und nannten
ihr Programm "schnubiculemus
igitur".
![]()
Allgäuer Zeitung /14.12.98
Spiel mit Silben und Worten "Schnubiglbairische Weihnacht" -
was sich dahinter wohl verbirgt? Die "Obergünzburger Initiative
für
Kultur" hatte den Mut, diesen Abend in ihr Jahresprogramm aufzunehmen.
Für die Zuhörer wurde es ein Genuß. Die Texte des Abends verfaßte
Felix Hoerburger, ein inzwischen verstorbener Musikprofessor aus
Regensburg. Er spielt mit Silben, erfindet Wörter blödelt zwischendurch
ein wenig. "A kloans Nonsenserl! - manchmal braucht ma dös halt!" fügt
er an, als ob er sich rechtfertigen müsse. Von Träumen, "ganz
leisen Träumen " ist häufig die Rede, von Stille, von Besinnlichkeit.
Er erzählt von einem, den Besinnlichkeit überhaupt nicht interessiert
hat. "Aber er sei dann wenigstens g'storbn - das müsse man ihm lassen." Oder
die Geschichte vom Leberknödel, der die Salzbreze heiraten sollte. Sie
stritten sich, wer schöner sei - "wie sich halt junge Brautleute
so streiten". Aber da kam der wumbáberl sepp". "Zuerst
hat er den Knödel g'fressn und dann die Brezen ins Bier einidaucht -
der Banause".
Zum genußvollen Hinhören wurde der Abend durch Beate
Himmelstoß. Die mikrophonerprobte Sprecherin beim Bayerischen Rundfunk
bot herrliche Nuancen des Erzählens: gespielte Traurigkeit, spitzbübische
Freude, zartes Geflüster. Gewinnend und sympathisch. "Der Musik
nachlauschen, die mit Worten gemacht wird", läßt Felix Hoerburger
sie sagen.
![]()