Gitarrentechniken I

 

SpectaculumDie Gitarren-Techniken befassen sich mit den technischen Problemen des Gitarrenspiels. Dies beginnt bei der Haltung, führt über Greif- und Anschlags-Techniken und endet bei individuellen Spezial-Techniken.
Dass hier von Techniken und nicht einer Technik die Rede ist, geht vor Allem daraus hervor, dass die verschiedenen Gitarrentypen (Klassik- Akustik- und Elektrogitarre) unterschiedliche Techniken erfordern. Die sich daraus ergebenden Spieltechniken dienen zum Bewältigen der Spielstücke der einzelnen Gitarren- und Musikstile.

Akkorde
 

Grundakkorde

Für Akkorde und Rhythmen gibt es drei Aspekte:

  • Theoretische Grundlagen
  • Praktisches Spiel auf der Gitarre
  • Praktische Anwendungen in Musikstücken

Die Grundlage bilden einfache Akkorde mit Leersaiten. Sie werden Grundakkorde genannt.
Von diesen Grundakkorden werden Barréakkorde abgeleitet und wiederum davon die Jazzakkorde.
Um Jazzakkorde und reizvolle Akkordverbindungen mit Substitutionen spielen zu können, sind theoretische Kenntnisse der Intervalle und Akkordlehre sehr hilfreich.

Die methodischen Lehrgänge und Anwendungsbeispiele werden in den Lehrbücher Akkorde & Rhythmen gezeigt.

Grundakkorde

Es gibt 15 Grundakkorde, die sich durch unterschiedliche Griffweise und Varianten spielen lassen.
Die von mir vorgeschlagenen Griffweise sind entwicklungsfähig. D.h. die Akkorde lassen sich methodisch zu Barréakkorde umwandeln, so dass wenige und eindeutige Regeln verwendet werden können.
Die Akkordvarianten sind alternative Akkorde der Grundakkorde.

Die MIDI-Beispiele werden ab dem Grundton zur 1. Saite angeschlagen.

Dur-Akkorde

C

Grundton: 5. Saite  /  Finger 3

Midi

C
G

Grundton: 6. Saite  /  Finger 3

Midi

G
D

Grundton: 4. Saite  /  Leersaite

Midi

D
A

Grundton: 5. Saite  / Leersaite

Midi

A
E

Grundton: 6. Saite  / Leersaite

Midi

E
F

Grundton: 4. Saite  /  Finger 3

Midi

F

Dominantsepakkorde

C7

Grundton: 5. Saite  /  Finger 3

Midi

C7
G7

Grundton: 6. Saite  /  Finger 3

Midi

G7
D7

Grundton: 4. Saite  / Leersaite

Midi

D7
A7

Grundton: 5. Saite  / Leersaite

Midi

A7
E7

Grundton: 6. Saite  / Leersaite

Midi

E7
B7

Grundton: 5. Saite  /  Finger 2

Midi

B7

Mollakkorde

Em

Grundton: 6. Saite  / Leersaite

Midi

Em
Am

Grundton: 5. Saite  / Leersaite

Midi

Am
Dm

Grundton: 4. Saite  / Leersaite

Midi

Dm
Dm

Griffvariate: 2. Saite / Finger 3 statt 4
Grundton: 4. Saite /Leersaite

Dm

Grundakkord-Varianten

G(5)

Wird die 5. Saite gedämpft ist ein
"reiner" G5-Akkord!

G(5)
E7

Griffvariante mit Finger 4

E7
A7

Griffvariante mit Finger 4

A7
A

"Langes A"

A
A7

"Langes A7"

A7
D7/F#

D7 mit F# im Bass

D7/F#
D/F#

D mit F# im Bass

D/F#
Dm/F

Dm mit F im Bass

Dm/F
Barréakkorde

Barréakkorde

Barréakkorde werden mit einem Barré (Quergriff) des Zeigefingers gegriffen. Mit den Barréakkorden ist es möglich sämtliche Dur-, Moll- und Dominantseptakkorde zu spielen.

Die Barréakkorde werden von den Grundakkorden abgeleitet. Methodische Umwandlung der Grundakkorde zu Barréakkorden:

  1. Grundakkord greifen
  2. Nachrücken mit den Fingern
  3. Verschieben um einen Bund
  4. Barré im 1. Bund greifen
  5. Typ-Barréakkord (Verschiebbarer Akkord)
  6. Der Akkord heißt so, wie der Grundton, der auf der 6., 5. oder 4. Saite gegriffen wird.

Grundsätzlich kann jeder Grundakkord, der mit den Fingern 1, 2 und 3 gegriffen wird, zu einem Barréakkord umgewandelt werden.

1. Grundakkord greifen:

Der Grundakkord ist die Basis zur Ableitung der Barréakkorde.

E

2. Nachrücken mit den Fingern:

Anstelle des Finger 1, greift Finger 2
Anstelle des Finger 2, greift Finger 3
Anstelle des Finger 3, greift Finger 4
Somit ist Finger 1 frei um das Barré zu greifen.

E / E-Typ

3. Verschieben um einen Bund:

Der Akkord, mit den nachgerückten Fingern, wird um einen Bund "aufwärts" verschoben.

E (verschoben)

4. Barré im 1. Bund greifen:

Dieser E-Typ-Barréakkord kann über das ganze Griffbrett verschoben werden. Es ist ein Dur-Akkord und heißt so wie der Ton (Barré-Finger 1), der auf der 6. Saite gegriffen wird.

E-Typ

E-Typ-Barréakkorde

Die E-Typ-Barréakkorde werden von den E-Grundakkorden abgeleitet. Der Grundton wird mit Barré-Finger 1 auf der 6. Saite gegriffen. Der Akkord heißt also so, wie der Ton, der mit Finger 1 auf der 6. Saite gegriffen wird.

Töne auf der 6. Saite

E-Typ

Grundton:  6. Saite  /  Finger 1

dur-Dreiklang:  1  3  5
Akkordtöne:  1  5  1  3  5  1

E-Typ
Em-Typ

Grundton:  6. Saite  /  Finger 1

moll-Dreiklang:  1  b3  5
Akkordtöne:  1  5  1  b3  5  1

Em-Typ
E7-Typ

Grundton:  6. Saite  /  Finger 1

dom7-Vierklang:  1  3  5  b7
Akkordtöne:  1  5  b7  3  5  1

E7-Typ
Em7-Typ

Grundton:  6. Saite  /  Finger 1

moll7-Vierklang:  1  b3  5  b7
Akkordtöne:  1  5  b7  b3  5  1

Em7-Typ

A-Typ-Barréakkorde

Die A-Typ-Barréakkorde werden von den A-Grundakkorden abgeleitet. Der Grundton wird mit Barré-Finger 1 auf der 5. Saite gegriffen. Die 6. Saite wird grundsätzlich mitgegriffen aber nicht angeschlagen. Der Akkord heißt also so, wie der Ton, der mit Finger 1 auf der 5. Saite gegriffen wird.

Töne auf der 5. Saite

A-Typ

Grundton:  5. Saite  /  Finger 1

dur-Dreiklang:  1  3  5
Akkordtöne:  (5)  1  5  1  3  5

A-Typ
Am-Typ

Grundton:  5. Saite  /  Finger 1

moll-Dreiklang:  1  b3  5
Akkordtöne:  (5)  1  5  1  b3  5

Am-Typ
A7-Typ

Grundton:  5. Saite  /  Finger 1

dom7-Vierklang:  1  3  5  b7
Akkordtöne:  (5)  1  5  b7  3  5

A7-Typ
Am7-Typ

Grundton:  5. Saite  /  Finger 1

moll7-Vierklang:  1  b3  5  b7
Akkordtöne:  (5)  1  5  b7  b3  5

Am7-Typ

C-Typ-Barréakkord

Der C-Typ-Barréakkord wird von dem C-Grundakkord abgeleitet. Der Grundton wird mit Finger 4 auf der 5. Saite gegriffen. Die 6. Saite wird grundsätzlich mitgegriffen aber nicht angeschlagen. Der Akkord heißt also so, wie der Ton, der mit Finger 4 auf der 5. Saite gegriffen wird.

Töne auf der 5. Saite

C-Typ

Grundton:  5. Saite  /  Finger 4

dur-Dreiklang:  1  3  5
Akkordtöne:  (3)  1  3  5  1  3

C-Typ

 

Gitarrensoli lernen

Gitarrensoli lernen

Gitarrensoli sind improvisierte, oder teilweise improvisierte, seltener auch festgelegte (komponierte)  Instrumentalteile des Rock, Blues oder Jazz. 
Sie werden bei Songs zwischen den Gesangsteilen und bei Instrumentalstücken nach den festgelegen Themen gespielt. 

Grundsätzlich ist festzustellen dass die legendären Soli selbst von den Erfindern nicht genau nachgespielt werden, wie die Vergleiche der Album- und Live-Versionen zeigen.

Der Sinn ein Gitarrensolo nachzuspielen kann positiv oder negativ ausgelegt werden.

Positiv ist: ein Solo nachzuempfinden und Erfahrungen für "Eigenes" zu sammeln.

Negativ ist: "nur" nachzuspielen oder sozusagen alles nachzuäffen

Auf jeden Fall sollte jeder, der sich ernsthaft mit Rockgitarre auseinandersetzt, möglichst ein paar "legendäre" Gitarrensoli nachspielen. Ob mehr oder weniger genau, bleibt jedem selber überlassen und hängt von den eigenen musikalischen Empfindungen und den technischen Fähigkeiten ab.

Der Fingersatz - wie und wo wird auf der Gitarre gespielt - ist von entscheidender Bedeutung und ermöglicht das Nachspielen im richtigen Tempo.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass grundsätzlich der Fingersatz nicht gehört werden kann, es sei denn, man hat viel Erfahrung und kann die technischen Fähigkeiten des Interpreten einschätzen. 
Es ist also immer gut bei Konzerten in der vordersten Reihe zu stehen und auch die Fingersätze zu verfolgen. Bei DVDs (Videos) mit Live-Aufnahmen lassen sich durch das Hören und Sehen (Standbilder) die Fingersätze auch mehr oder weniger nachvollziehen.

Gitarrensoloi erlernt man am Besten mit geeigneten Noten und dazugehörenden Tabulaturen. Ich habe festgestellt dass manche Noten / Tabulaturen zu ungenau sind ("Easy to play..") oder aber, durch ein bis in jedes Detail ausgeschriebne Notation ein Nachspielen zur Qual werden lässt.

Das folgenden Beispiel soll zeigen wie Soli mit Hilfe von Midi-Files oder Audio-Dateien gelernt werden können.

Athurs Guitar Boogie / Solo 1 (Seite 5)

(PopUp-Fenster)

 

Gitarrensoli im Vergleich
   

Hotel California / Eagles

  • Eagles / Album-Version 
    Hotel California (1976)
  • Eagles / Live-Version (Akustik-Version)
    Hell Freezes Over (1994)

Kommentar: Der Vergleich der zwei Versionen zeigt den Unterschied zwischen improvisierten und festgelegten Soli. 
Das zweistimmige mit 2 Gitarren gespielte Solo am Schluss, ist ein festgelegtes (komponiertes) Solo und wurde nach fast 20 Jahren nahezu identisch gespielt.
Alle andern Soli sind improvisiert. 

Voodoo Child (Slight Return) / Jimi Hendrix

  • Jimi Hendrix / Album-Version
    Electric Ladyland (1968)
  •  Stevie Ray Vaughan / Album-Version
    Couldn't Stand The Weather (1984)

Kommentar: Voodoo Child von Jimi Hendrix ist ein größtenteils improvisiertes Stück und vom Sound und Feeling eigentlich unmöglich nachzuspielen.
Stevie Ray Vaughan hat den Versuch unternommen, Voodoo Child nachgespielt und auf seinem Album veröffentlicht. Soviel ich weis, hat er versucht das gleiche Gitarren-Equipment zu verwenden, mit demselben Tontechniker und am gleichen Ort aufzunehmen. Die ganze Gitarrenwelt war beeindruckt und übersäte ihn mit höchstem Lob.

 

Klassikgitarre
 

Arpeggio-Anschlag (Akkordzerlegungen)

Arpeggio-Anschlag

Die Akkordzerlegung (Akkorbrechungen) ist eine sehr komplexe Anschlgstechnik mit unendlich vielen möglichen Anschlagsmuster (Pattern).

Die Grundlage bildet das Vorwärts- oder Ruckwärtsabrollen der Anschlagshand.

p = Daumen
i = Zeigefinger
m = Mittelfinger
a = Ringfinger

Akkordzerlegung

"Vorwärtsroller" = p i m a
"Rückwärtsroller" = a m i p

Die Akkordzerlegung - p i m a m i - zeigt den einfachsten Einstieg in die Welt der Anschlagsmuster. Das Aufsetzen der Finger nach jedem Durchgang stabilisiert den Bewegungsablauf und führt zu einer guten Arpeggio-Anschlagstechnik.

Literatur

  • Caprice (op 26 / Nr. 4) / Matteo Carcassi
  • 19 Präludien (aus op.59) /Matteo Carcassi

 

 

Wechselschlag (Melodiespiel)

Wechselschlag

Das einstimmige Melodiespiel fordert grundsätzlich den Wechselschlag. Die Grundlage bildet der Wechselschlag: m i .
Es wird zwischen dem Apoyando- und Tirando-Anschlag unterschieden.

Apoyando-Anschlag

Der Apoyando-Anschlag (span.: apoyando = aufgestützt, angelehnt) legt an der nächsttieferen Saite an (angelegter Anschlag) und wird somit kräftiger und voller. Er eignet sich für einfache, langsame und getragene Melodien und besonders gut für den Anfänger (einstimmiges Melodiespiel).

Tirando-Anschlag

Der Tirando-Anschlag (span.: tirar = ziehen) wird über die nächsttiefere Saite angeschlagen (nicht angelegter oder freier Anschlag) und wirkt etwas dünner. Er eignet sich auch für schnelle Melodien und kombinierte Techniken.