Gitarren
Teile der Gitarre
| Am Kopf sind die Mechaniken zum Stimmen der Saiten befestigt. |
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| Der Hals mit den Bünden auf dem Griffbrett, dient zum Greifen der Saiten. | |
| Der Korpus (Körper) ist der eigentliche Gitarrenteil
mit Decke, Boden und den seitlich gerundeten
Zargen. Aus dem runden Schalloch tritt der Ton
aus, der im Resonanzkörper
entsteht.
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Der Sattel, aus Knochen oder Kunststoff, fixiert die Saite. |
| Die Mensur ist die Länge der
freischwingenden Saite zwischen Sattel und Steg. Der 12. Bund,
die Oktave, ist theoretisch in der Mitte von Sattel und Steg. Genaugenommen
ist der Teil vom 12. Bund zum Sattel hin, um
ca. 1,5 - 3 mm länger.
Damit wird die erhöhte Saitenspannung, die beim Greifen der Saite entsteht, ausgeglichen (Bundreinheit). |
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| Der Steg ist die Halterung der Saite. Mit der Stegeinlage aus Knochen oder Kunststoff die Höhe der Saite zu den Bünden eingestellt (Saitenlage). |
Klassikgitarre
Die Klassikgitarre gibt es in dieser Form seit Ende des 19. Jahrhunderts.
Sie wird auch als Konzertgitarre, Spanische Gitarre oder Nylonsaitengitarre
bezeichnet.
Antonio de Torres (1817-1892) war ein spanischer
Gitarrenbauer, der diese moderne Form der Gitarre zwischen 1854 und 1888
entwickelt hat.
Die Mensur (Abstand zwischen Sattel und Steg) ist 65
cm. Also erheblich größer als die Modelle vor seiner Zeit.
Das Foto zeigt eine Klassikgitarre von Paulino Bernabe.
Die
Klassikgitarre wird mit Nylonsaiten besaitet.
Die 4., 5. und 6. Saite (tiefe, dicke Saiten) sind mit
Metall umwundene (umsponnenen) Nylonsaiten. Früher wurden Darmsaiten
verwendet.
Francisco Tárrega (1852-1908), Gitarrenspieler,
Komponist, Bearbeiter und Gitarrenlehrer, der auch ein Torres-Modell spielte,
war der Wegbereiter des modernen Gitarrenstils. Er hat die Technik des
Gitarrenspiels von Fernando Sor (1778-1839) und Mauro
Giuliani (1781-1829) weiterentwickelt.
Die "klassische Haltung" des Instrumentes (auflegen auf den
linken Oberschenkel) ist seit Tárrega die Standardhaltung.
Heute werden auch Fingerpicking, Fingerstyle-Jazz und Bossa Nova auf der
Klassikgitarre gespielt.
Akustikgitarre
Die
Akustikgitarre heißt auch Western- oder Stahlsaiten-Gitarre und wird
mit Stahlsaiten besaitet.
Die 3., 4., 5. und 6. Saite sind mit Metall umwundene Stahlsaiten. Der Kern ist aus Stahl und die Umwindungen aus Bronze. Heute werden auch mit Kunststoff beschichtete Saiten (Coated Strings) verwendet.
Ohne Tonabnehmer und Verstärkung wird der Klang der Akustikgitarren
als akustischer Gitarrenklang, mit Tonabnehmer und Verstärkung als
elektroakustischer Gitarrenklang bezeichnet.
Die abgebildete Akustikgitarre hat 14 Bünde bis zum Korpusrand und wird als Dreadnought (Size D) bezeichnet.
Martin ist der führende Hersteller für Akustikgitarren (leider auch etwas teuer!). Er unterscheidet 6 Modelle, die auch für andere Hersteller Gültigkeit haben:
- Size 1 (Länge: 46,4cm / Breite: 30 cm)
- Size 2 (Länge: 48cm / Breite: 34,4 cm)
- Size 0 (Länge: 48,5cm / Breite: 34,3 cm)
- Size 00 ( Länge: 48cm / Breite: 36 cm)
- Size 000 (Länge: 49cm / Breite: 38 cm)
- Size D ( Länge: 51cm / Breite: 39,5 cm)
Das Jumbo-Modell ist größer und hat eine etwas rundlichere Zargenform. Der Klang ist lauter und basslastiger.
Gitarren mit einem Cutaway (Handausschnitt, Aussparung am unteren Korpusrand) erleichtern die Spielbarkeit ab dem 14. Bund.
12-saitige Akustikgitarre
Die
12-saitige Akustikgitarre wird auch einfach "Zwölfsaitige"
genannt und hat, wie ihr Name schon sagt, 12 Saiten.
Die Konstruktion der 12-saitige Akustikgitarre ist durch
die Doppelbesaitung etwas stabiler gebaut.
Die Saiten der normalen Akustikgitarre werden verdoppelt (doppelchörig).
Das 1. und 2. Saitenpaar wird gleichgestimmt (unisono).
Beim 3., 4., 5. und 6. Saitenpaar wird die zusätzliche Saite eine
Oktave höher gestimmt und als Oktavsaite bezeichnet.
Die Spielweise wird durch das Greifen zweier Saiten erschwert. Die Saitenlage am Sattel und Steghöhe sollte deshalb optimal eingestellt sein.
Beispiele der 12-saitige Akustikgitarre im Rock:
All along the watchtower / J. Hendrix
Life by the drop / S. R. Vaughan
San Francisco Bay Blues / E. Clapton
Wish you were here / Pink Floyd
Hotel California / Eagles (Capo VII)
Dust in the wind / Kansas (2. Gitarre)
"Fingerpicker" wie Leo Kottke und Sigi Schwab spielen die Zwölfsaitige in den verschiedene Leersaiten-Stimmungen (Open Tunings) und verwenden auch ein "Bottleneck" (Slide).
Resonatorgitarre
Die Resonatorgitarre wird auch einfach Dobro genannt. Dobro ist,
neben National, einer der wichtigsten Hersteller
von Resonatorgitarren.
Der Korpus der Resonatorgitarre (Resonator Guitar) besteht aus einer
Metall-Legierung. Die Saiten liegen beim Steg auf dem Resonator auf und
erzeugt so ein Klang wie aus einem Lautsprecher. Der Resonator, der in
der Gitarre auf einem Rand aufliegt, ist hauchdünn und federleicht.
Das Foto zeigt eine Dobro mit einfachen Verzierungen auf dem Korpus.
Bob Brozman spielt verschiedene Modelle von Resonatorgitarren: Mandoline, Otavgitarre usw. Er gilt als einer der virtuosesten und kreativsten Spieler von Resonatorgitarren.
Sehr oft werden Stücke mit einer Leersaiten-Stimmung (Open Tuning) gespielt und ein "Bottleneck" (Slide) verwendet.
E-Gitarre
Damit die E-Gitarre (Elektro-Gitarre) klingt, wird ein Verstärker,
Lautsprecher und für die entsprechenden Rock-Sounds auch Effektgräte
gebraucht.
Die abgebildete Solidbody E-Gitarre (Brettgitarre)
hat zwei kleine Single-Coil-Tonabnehmer und einen breiteren Humbucker.
Das Vibrato-System ist ein Floyd-Rose-System und hat Sattelklemmen und
am Steg Feinstimmer.
Grundsätzlich wird die E-Gitarre (Electric Guitar) mit einem Plektrum (Pick) angeschlagen. Die Saiten (Strings) werden mit Tonabnehmer (Pickups) abgenommen. Das elektrische Signal wird dann mit einem Kabel (Cable) zum Verstärker (Amp) übertragen und dann weiter zu den Lautsprechern (Speakers) geleitet. Der Klang (Sound) kann am Verstärker und dazwischen geschalteten Effektgeräten verändert werden.
Tonabnehmer
Single-Coil: einspuliger Tonabnehmer wird von Fender
(Telecaster, Stratocaster) verwendet.
Humbucker: zweispulige Tonabnehmer wird von Gibson
(Les Paul) verwendet:
Sounds
Die wichtigsten Sounds sind:
Clean (ohne bezw. wenig Effekte)
Overdrive (Übersteurungs-Effekt)
Distortion (Verzerrer-Effekt)
Jazzgitarre
Die Merkmale der Archtopgitarren, wie das Bild zeigt, sind wie folgt:
Archtop = gewölbte Decke
(Die Bauweise der Decke ist geschnitzt, wie bei Streichinstrumenten.)
Zwei f - Löcher als Schalloch
Sie werden grundsätzlich über den Verstärker gespielt
mit einem warmen, transparenten Sound (Klang).
Die Vollresonanz-Gitarren haben eine Zargenbreite wie
bei Akustikgitarren, die Halbresonanz- die Hälfte.
Akustisch Jazzgitarren sind unverstärkt Gitarren und werden von Zigeuner-Jazzgitarristen bevorzug:
- Django Reinhardt
- Bireli Lagrene
Halbakustische Jazzgitarren (semi-akustische) werden mit Tonabnehmer über den Verstärker gespielt. Diese werden von amerikanischen Jazzgitarristen bevorzugt:
- Charlie Christian
- Herb Ellis
- Wes Montgomery
- George Benson
Kontrabass-Gitarre
Die Kontrabass-Gitarre ist wie ein Kontrabass oder ein E-Bass (Elektro-Bassgitarre)
gestimmt.
Stimmung:
1. Saite = G
2. Saite = D
3. Saite = A1
4. Saite = E
Dies entspricht der Stimmung der Normalgitarre (6. 5. 4. und 3. Saite) um eine Oktave tiefer.
Das Foto zeigt eine Kontrabass-Gitarre (Guitarra baja) vom spanischen Gitarrenbauer Valdez. Diese hat eine Mensur von 75 cm und ist im Größenvergleich mit einer Normalgitarre dargestellt.
Oktavgitarre
Die Oktavgitarre ist um eine Oktave höher gestimmt, als die Klassik-
oder Akustikgitarre und kann mit Nylon- oder Stahlsaiten besaitet werden.
Stimmung:
1. Saite = e2
2. Saite = b1
3. Saite = g1
4. Saite = d1
5. Saite = a1
6. Saite = e
Mit der Oktavgitarre wird die Stimmlage einer Violine oder Mandoline umgesetzt. Das Foto zeigt den Größenvergleich mit der Normalgitarre.
Gitarrenquartett
Das Bestreben, nach dem Muster des Streichquartetts, einen nur aus Gitarre bestehenden Klangkörper zu schaffen, veranlasste Heinrich Albert (1870-1950) eine Spielvereinigung, bestehend aus zwei Terzgitarren, einer Primgitarre und einer Oktavbassogitarre zu begründen. Erwin Schwarz-Reiflingen (1891-1964)
Terzgitarre
Die Terzgitarre wurde schon in der "Blütezeit der Gitarre" von 1800 bis 1840 für das Zusammenspiel verwendet. Sie ist etwas kleiner als die Normalgitarre und hat eine Mensur von 55 cm. Dies entspricht der Länge zwischen dem Steg und dem 3. Bund einer Normalmensur von 65 cm. Wie der Name schon sagt wird die Terzgitarre eine kleine Terz höher gestimmt:
1. Saite = g1
2. Saite = d1
3. Saite = b(b)
4. Saite = f
5. Saite = c
6. Saite = G
Ist keine Terzgitarre vorhanden, kann eine Normalgitarre mit Capo (Kapodaster) im 3. Bund zu einer Terzgitarre umfunktioniert werden.
Primgitarre
Die Primgitarre entspricht unserer Normalgitarre.
Quintbassogitarre
Die Quintbassogitarre, von der ich noch keine gesehen habe, ist um 1900 entstanden (Alfred Cottin) und etwas größer als die Normalgitarre. Die Mensur hat eine Länge von ca. 70 cm.
Kindergitarren
Schülermodelle
Was bei der Geige schon längst praktiziert wird kann nun auch, durch das
Angebot der verschiedenen Hersteller, bei der Gitarre umgesetzt werden: Das Instrument
kann mit dem Kind "mitwachsen".
1/2 Größe für Kinder
von 7 - 9 Jahren
Mensur = 53 cm
Sattelbreite = 48 mm
Gesamtlänge = ca. 83,5 cm
3/4 Größe für Kinder
von 9 - 11 Jahren
Mensur = 57 - 59 cm
Sattelbreite = 48 mm
Gesamtlänge = ca. 90 cm
7/8 Größe für Kinder
von 11 - 13 Jahren
Mensur = 62 - 63 cm
Sattelbreite = 48 - 50 mm
Gesamtlänge = ca. 95 - 96 cm
Normalgröße für Kinder
ab 14 Jahren
Mensur = 65 cm
Sattelbreite = 52 - 54 mm
Gesamtlänge = ca. 100 cm
Kontragitarre
Die Kontragitarre wird in Bayern zum Begleiten in der alpenländischen
Volksmusik verwendet.
Das Foto zeigt die, bei einem Interview aufgenommene, Kontragitarre von Sepp Hornsteiner.


Die Gitarre hat flache Decke und flachen Boden. Beide sind durch die Zargen verbunden.
Die Laute hat flache Decke und gewölbten Boden, welcher aus mehreren Rippen zusammengesetzt sind.
Die Instrumente (Gitarre und Laute) unterscheiden sich nur in der Bauart
von einander. Die Besaitung, Haltung und Spielart ist bei beiden Instrumenten
gleich.
Hermann Schmidt (ca.1908)

Guitarre / Clasen
Die Schreibweise "Guitarre" wurde im deutschen Sprachraum um
1880 bis 1930 verwendet. Die Modelle in Deutschland (Bayern) waren kleiner
als das Modell von Torres. Die Mensur war 61 - 62 cm, also um 3 - 4 cm
kleiner als die heutige Standardmensur.
Die Gitarre auf dem Foto ist aus meiner Instrumentensammlung und wurde von Johannes Clasen (ca.1920) in Hof (Bayern) gebaut. Die Mensur hat eine Länge von 62 cm. Die Decke ist aus Fichte, der Boden und die Zargen aus Mahagoni.
Guitarre / Hochendörfer
Die Gitarre auf dem Foto ist aus meiner Instrumentensammlung und wurde
von Hochendörfer (ca.1925) in Stuttgart gebaut.
Die Mensur ist 61cm, also um 3 - 4 cm kleiner als die heutige Standardmensur. Die Decke ist aus Fichte, der Boden und die Zargen aus Ahorn. Das Griffbrett ist aus Nussbaum.
Detailansicht:
Kopf
Detailansicht:
Korpus
Detailansicht: Kopf

Detailansicht: Korpus

Barockgitarre

Die abgebildete Gitarre ist ein Nachbau (Rekonstruktion) einer Barockgitarre von Joachim Tielke. Sie wurde 1999 von Frank-Peter Dietrich (Erlbach / Vogtland) gebaut.
Die Mensur hat eine Länge von 690 mm.
"alte Stimmung": a1 = 415 Hz (normal: a1 = 440 Hz)
1. Saitenchor e1
2. Saitenchor h / h
3. Saitenchor g / g
4. Saitenchor d / d1
5. Saitenchor A / a
Detailansicht:
Rosette
Detailansicht:
Kopf
Detailansicht: Rosette

Detailansicht: Kopf

Halszither / Cister
Die Halszither war in der Schweiz von ca.1820 bis 1900 verbreitet.
Sie wurde Emmentaler- und Toggenburger
Halszither oder "Hanottere" genannt. (Die Entlebucher
Halszither hatte 10 Saiten.)
In Deutschland wurde dieses Instrument Thüringer
Waldzither (mit Mechanik) oder Hamburger
Waldzither (mit Wirbel) genannt.
Die Halszither hat 9 Stahlsaiten. Die 1., 2., 3. und 4. Saite sind zweichörig (2 gleichgestimmte Saiten) und 5. Saite ist einchörig.
Stimmung:
1. Saitenchor g1 / g1
2. Saitenchor e1 / e1
3. Saitenchor c1 / c1
4. Saitenchor g / g
5. Bass-Saite c
Renaissancelaute
Die abgebildete Laute ist eine Knickhalslaute gebaut von
G. Gerle, Insbruck um 1580.
